Interview Mark Roderick


ⓒprivat

Allgemein


Name, Vorname: Roderick, Mark

Wohnort: In der Nähe von Stuttgart (mehr verrate ich nicht, sorry 😊)

Beruf: Ich habe BWL studiert und lange Zeit im Finanzwesen gearbeitet; heute bin ich Controller in einem juristischen Fachverlag.

Familie, Haustier: Ich bin verheiratet und habe drei (gefühlt mindestens doppelt so viele) Kinder. Meine jüngste Tochter ist mit ihren knapp anderthalb Jahren der festen Überzeugung, das Familienoberhaupt zu sein. Wenn es nicht nach ihrem Willen geht, sinkt die Laune drastisch. Dafür steigt dann der Lärmpegel enorm. Abgesehen davon ist sie Zucker. Als Haustiere habe ich zwei Britisch-Kurzhaar-Katzen.

Hobbies: Zwischen Fulltime-Job, Familie und Schreiben bleibt nicht mehr viel Zeit für Hobbies. Ab und zu gönne ich mir den Luxus und lese ein Buch. Abgesehen davon liebe ich Brettspiele (ich habe mindestens hundert davon).

Musikgeschmack: Da bin ich irgendwie in den 80er- und 90er-Jahren steckengeblieben: Kiss von Prince höre ich z. B. heute noch gerne, oder Little L. von Jamiroquai, außerdem die beiden besten Alben, die je produziert wurden: Graceland von Paul Simon und Invisible Touch von Genesis. Mein Gott, bin ich old-school!

Lieblingsschriftsteller: Stieg Larsson, Jussi Adler-Olsen, Ken Follett, Dan Brown, Michael Crichton



Persönliches


Hund oder Katze: Da ich zwei Katzen habe – eindeutig Katze. Die sind pflegeleicht (wenn sie nicht gerade Durchfall haben) und brauchen nicht dauernd Zuwendung. Und sie verwandeln das Haus nicht in ein Trümmerfeld, wenn man mal ein paar Stunden weg ist.

Winter oder Sommer: Definitiv Sommer. Der Winter dürfte sich m. E. auf die Zeit von 24. – 26.12. reduzieren, dann auch gerne mit viel Schnee. Abgesehen davon sind mir Temperaturen ab 25 Grad aufwärts am liebsten.

Frühaufsteher oder Nachtmensch: Könnte ich jeden Tag ausschlafen, wäre ich vermutlich Nachtmensch. Da das aber wegen Beruf und Familie nicht funktioniert, bin ich faktisch Frühaufsteher. Manchmal stehe ich auch mitten in der Nacht auf, wenn ich aufwache und nicht mehr schlafen kann. Dann setzte ich mich zwei Stunden an den Computer und gehe danach wieder ins Bett – bis meine Jüngste sich dann per Babyphone meldet.

Berge oder Meer: Meer, ganz klar. Da kann man die Gedanken schweifen lassen und chillen. Nichts ist entspannender als das Rauschen von Wellen.

Vorbild: Habe ich keins, jedenfalls nicht bewusst.

Mit welchem Star möchtest du mal essen gehen (egal ob dieser Star noch lebt oder nicht): Über diese Frage musste ich tatsächlich am längsten nachdenken, uns selbst jetzt bin ich mir nicht sicher. In Frage kommen Clint Eastwood, Steven Spielberg, Ennio Morricone und Harrison Ford. Und da das sowieso keiner glaubt, jetzt mal die Wahrheit: Julia Roberts, Emilia Clarke, Andie MacDowell und Shakira (meine Güte, bin ich oberflächlich!)

Lieblingsessen: Spaghetti – das könnte ich jeden Tag bis zum Anschlag essen.

Lieblingsgetränk: Kaffee, weil er manchmal lebensrettend ist😊

Lieblingsfernsehserie: Falls Game of Thrones gilt, dann das. Ansonsten schaue ich aktuell fast nie Serien an. Früher habe ich Magnum, Simon & Simon und Ein Colt für alle Fälle geliebt. Außerdem habe ich alle Folgen von Bonanza gesehen.

Lieblingsbuch: Ich fange nochmal an (von Susanna Kubelka)

Mit wem möchtest du nicht im Lift steckenbleiben? Mit einem fetten, stinkenden, homosexuellen Vergewaltiger, der sich in mich verguckt hat. Oder mit meiner kleinen Tochter, wenn sie schlechte Laune und die Windel voll hat.

Was nimmst du mit auf eine einsame Insel? Meine Familie, dann wäre es nicht mehr einsam. Wenn das nicht geht: einen Karton voller Schreibzeug und eine Europalette Papier. Nichts ist inspirierender als ein Bleistift und ein leeres Blatt.

Erinnerst du dich an dein erstes Buch, welches du gelesen hast? Welches war dein Lieblingskinderbuch? An mein erstes Buch kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber meine Mutter hat mir früher Prinz Malle vorgelesen. Keine Ahnung, warum, aber das ist das erste «richtige Buch» in meinem Leben, an das ich mich erinnern kann.

Warum schreibst du unter einem Pseudonym? Das hat mehrere Gründe: Erstens muss nicht jeder Psychopath wissen, wer ich wirklich bin. Außerdem habe ich früher auch unter meinem Realnamen Bücher veröffentlicht, die aber etwas andere Themen zum Inhalt haben. Der Buchhandel mag es lieber, wenn man einem Autor eindeutig ein bestimmtes Genre zuordnen kann – das lässt sich wohl besser verkaufen. Mein richtiger Name ist leider auch ziemlich kompliziert, den kann sogar ich mir kaum merken😊 Da ist Mark Roderick wesentlich einfacher.



Berufliches

Wie sieht deine Schreibwerkstatt aus? Wo schreibst und arbeitest du am liebsten? Wenn ich zu Hause arbeite, schreibe ich am liebsten in meinem Arbeitszimmer. Das hat ein großes Fenster mit Blick ins Grüne. Davon nehme ich beim Schreiben zwar nicht allzu viel wahr, aber irgendwie gibt mir das ein gutes Gefühl. Da ich so ganz nebenher aber auch noch einem Fulltime-Job nachgehe, sieht die Realität meistens so aus, dass ich morgens in der S-Bahn am Netbook schreibe, dann wieder in der Mittagspause im Büro und abends wieder auf der Heimfahrt in der S-Bahn. Normalerweise klappt das sogar ziemlich gut.

Um welche Tageszeit fällt dir das Schreiben besonders leicht? Könnte ich es mir raussuchen, würde ich gerne vormittags schreiben, zwischen 8 und 12 Uhr. Da bin ich ausgeruht und am konzentriertesten. Nur muss ich da nun mal leider «normal» arbeiten. Und am Wochenende gibt es Einkäufe zu erledigen, Wäsche zu bügeln, Hausaufgaben der Kinder zu kontrollieren … was in einer Familie eben so alles anfällt. Also schreibe ich, wann immer ich dazu komme. Manchmal finde ich sofort in die Geschichte rein, manchmal dauert es etwas länger. Aber irgendwie klappt es immer.

Wie kommen die Namen der Protagonisten zu Stande? Darf man seinen Namen als Bösewicht zur Verfügung stellen? J Die Namen haben in der Regel keinen Bezug zu tatsächlich existierenden Personen. Die sind reine Phantasie. Ich überlege einfach so lange, bis mir etwas Passendes einfällt. Wer seinen Namen gerne für einen meiner Bösewichte zur Verfügung stellen möchte, darf ihn mir gerne melden. Wenn er mir geeignet erscheint, kann ich mir durchaus vorstellen, ihn zu verwenden. Der Namensgeber darf aber nicht sauer sein, wenn der Bösewicht am Ende des Buchs auf schreckliche Weise ums Leben kommt (was sehr wahrscheinlich der Fall sein wird😊)

Woher nimmst du die Inspiration für die Geschichten? Meistens hänge ich einfach eine Weile meinen Gedanken hinterher, und dann habe ich plötzlich eine Idee, die mich anspringt. Daraus entwickelt sich dann eine Geschichte. Es kann aber auch sein, dass ich etwas in der Zeitung lese, im Fernsehen anschaue, oder dass mir jemand etwas erzählt, das mich auf eine Idee bringt. Bei Post Mortem habe ich mich gefragt, was das Schlimmste wäre, was mir passieren kann? Die Antwort: Wenn meiner Familie etwas zustieße, z. B. eine Entführung. Die nächste Frage lautete, wie ich darauf reagieren würde? Natürlich würde ich – wie wahrscheinlich jeder – die Polizei einschalten und darauf hoffen, dass die alles regelt. Das ist der Handlungsstrang, den Emilia Ness verkörpert. Aber ich habe auch eine Seite in mir entdeckt, die dem Entführer die schrecklichsten Dinge antun wollte, um meine Familie zurückzubekommen. Das ist die Sicht von Avram Kuyper. Es ist sehr befriedigend, beim Schreiben in beide Rollen schlüpfen zu dürfen.

Entwickeln sich die Figuren manchmal in eine ungeahnte (und manchmal vielleicht auch nicht gern gesehene) Richtung? Nein, weil ich die grobe Struktur der Geschichte immer schon im Vorfeld festlege. Davon weiche ich dann nicht mehr ab.

Hast du einem Protagonisten schon mal einen Tick oder Makel angedichtet, welchen du nicht mehr so schreiben würdest? Welchen? Nein, im Moment wüsste ich zumindest keinen, den ich ändern oder abschaffen wollte.

Welcher Charakter ist deinem ähnlicher. Emilia oder Avram? Ich denke, es steckt von beiden etwas in mir. In aller Regel bin ich in meiner Gesetzestreue geradezu vorbildlich. Ich parke nie im Parkverbot, fahre fast nie schneller als erlaubt, werfe nicht mal ein Bonbonpapier auf die Straße (peinlich, ich weiß, aber so bin ich eben). Nur gehe ich ab und zu bei Rot über die Straße (so viel zur Ehrenrettung😊) Andererseits kann ich schon auch mal ausrasten (meine Kinder und meine Frau wissen ganz genau, wie sie das anstellen müssen), dann kommt meine dunkle Seite zum Vorschein. Aber hallo: Gibt es irgendwelche Familienväter da draußen, bei denen es anders ist? Wenn ja, nennt mir euer Geheimnis!!!

Magst du alle Bücher beziehungsweise Bände/Fälle gleich gerne? Bei Post Mortem schon. Ich schreibe immer nur das, was mir selbst auch als Buch oder als Film gefallen würde. Aus meiner schriftstellerischen Anfangszeit gibt es allerdings ein Buch, das ich in der letzten Fassung gar nicht mehr durchgelesen habe. Das musste quasi übers Wochenende von 500 auf 300 Seiten reduziert werden. Ich sagte meinem Lektor, dass ich mich dazu außer Stande sehe. Also gab ich ihm notgedrungen freie Hand. Aber ich habe es nicht mehr übers Herz gebracht, das verstümmelte Endergebnis durchzulesen. Ich bekomme heute noch Schnappatmung, wenn ich nur daran denke!

Ich fand es extrem faszinierend, dass im aktuellen Post Mortem Buch schon der Prolog zum nächsten Band vorhanden ist. Wie schwierig ist es, diesen schon fix fertig zu haben, jedoch ist der Rest des Buches noch nicht geschrieben? Oder ist das Buch schon fertig und du geniesst einfach die Macht, die Fans darauf warten zu lassen? ;-)

Nein, zu dem Zeitpunkt existieren tatsächlich nur ein paar wenige Seiten des nächsten Buchs. Aber natürlich habe ich die Geschichte schon im Kopf, sonst könnte es tatsächlich passieren, dass die Leseprobe später gar nicht mehr zum Rest des Buchs passt. Ist mir aber glücklicherweise noch nie passiert.
Wird die Post Mortem Reihe verfilmt? Die Rechte wurden zwar von einer Produktionsfirma optiert, aber bis jetzt ist nichts daraus geworden. Allmählich glaube ich auch nicht mehr, dass das etwas wird. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.
Wie ist deine Einstellung zu Bibliotheken in der heutigen Zeit? Benötigt es diese überhaupt noch? Bibliotheken haben einen kulturellen und gesellschaftlichen Stellenwert, der über die reine Notwendigkeit hinausgeht. Das sind Orte, an denen sich Leute treffen, an denen Kinder mit dem Schmöker-Virus infiziert werden, an denen auch Menschen mit kleinem Geldbeutel an Literatur gelangen, die ihnen sonst verwehrt bliebe. Ich denke zwar, dass es für Bibliotheken (wie für gedruckte Bücher insgesamt) künftig nicht leicht wird, gegen Fernsehen, Handy, PC usw. zu bestehen. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es auch in hundert Jahren noch Bibliotheken und gedruckte Bücher geben wird. Gute Dinge überstehen auch schwierige Zeiten.

Vielen Dank für deine Zeit. Ich freue mich sehr auf die nächsten Bücher von Dir.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Interview mit Anja Berger

Der Zauber zwischen den Seiten von Cristina Caboni

Kaffeepause auf Schwedisch Fika von Milo Kalén