Interview mit Veronika Rusch (Fiona Blum)

Interview mit Veronika Rusch

ⓒ Susie Knoll

Allgemein

Name, Vorname: Veronika Rusch – Pseudonyme Fiona Blum, Jules Vitrac, Franziska Weidinger
Wohnort: Oberbayern

Beruf: Schriftstellerin, Juristin

Familie, Haustier: verheiratet, eine Tochter, seit unsere Katze gestorben ist, kein Haustier mehr.

Hobbies: Lesen, Reisen, Yoga, Gitarre spielen, zeichnen, malen, gut essen, faulenzen, im Garten werkeln und mit lieben Menschen zusammen sein

Musikgeschmack: kreuz und quer, je nach Laune, Rock, Folk, Soul, Jazz, fast alle Musik aus den Siebzigern, Manouche, Gipsy Jazz, Klezmer, irische Musik ... Zaz, LP, Sting, Leonard Cohen, Brandi Carlile, Ed Sheeran, Robbie Williams, hin und wieder auch Klassik

Lieblingsschriftsteller:
Auch hier habe ich nicht „the one and only“ Ich lese je nach Stimmung und möglichst konträr zu dem, was ich aktuell gerade schreibe. Gerne mag ich psychologische Krimis und rätselhafte, spannende Geschichten, aber auch Entwicklungsromane und Abenteuerliches, skurrile, schräge Sachen, wie Matt Ruff, oder Erzählungen und auch sehr gerne Gedichte, zum Beispiel von Rose Ausländer oder Mary Oliver; Lieblingsbücher sind zum Beispiel „Schiffsmeldungen“ von Annie Proulx, „Janet Naked“ von Nick Hornby, Matt Ruff, „Fool on the Hill“, Harper Lee, „Wer die Nachtigall stört“, die ersten Romane von Diana Gabaldon, Peter Hoeg, „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Aktuell habe ich gerade einen Roman von Guillaume Musso gelesen, den ich sehr spannend fand, und „Altes Land“ von Dörte Hansen, das hat mir auch sehr gut gefallen. Ach ja, und Harry Potter. Und die Tribute von Panem ... ich hör jetzt auf, es kommen ja noch ein paar Fragen ;-)

Persönliches

Hund oder Katze: Katze

Winter oder Sommer: Beides. Ich mag alle Jahreszeiten

Frühaufsteher oder Nachtmensch: Eher Frühaufsteherin

Berge oder Meer: Meer und die Berge von unten (bin keine Bergauf-Wanderin)

Vorbild: Astrid Lindgren

Mit welchem Star möchten sie mal essen gehen (egal ob dieser Star noch lebt oder nicht): Mit Leonard Cohen. Leider ist er ja vor kurzem gestorben, aber ich hatte das Glück, ihn vor einigen Jahren live zu sehen. Ich würde mit ihm über seinen Aufenthalt in einem Zen-Kloster sprechen, über seine Liedertexte, von denen ich viele auswendig kann und über die Liebe.

Lieblingsessen: Pasta, alle Arten von Gemüse, Steak

Lieblingsgetränk: Pils und Champagner (aber nicht gleichzeitig ;-)

Lieblingsfernsehserie: Ich bin keine große Serienguckerin. Dazu fehlt mir die Geduld. Bad Banks habe ich kürzlich gesehen, das fand ich gut. Allerdings habe ich mir dann auch alle Folgen in einer Nacht angesehen.

Lieblingsbuch: Siehe oben. Und die Bücher von Astrid Lindgren. Allen voran Ronja Räubertochter

Mit wem möchten sie nicht im Lift steckenbleiben? Donald Trump. Und es gäbe auch noch ein paar andere Politiker ...

Was nehmen sie mit auf eine einsame Insel? Meinen Mann und meine Tochter (wenn sie wollen) und Stift und Papier zum Schreiben

Berufliches

Wie sieht ihre Schreibwerkstatt aus? Wo schreiben und arbeiten sie am liebsten? 
Ich habe zwei Orte: Mein Büro, das wir das „Turmzimmer“ nennen, weil es ganz oben ist und man einen schönen Blick auf die Berge hat und mein Gartenhäuschen, das ganz eingewachsen ist, dort kann ich mich verstecken. Hier sind auch meine Malsachen gebunkert.

Um welche Tageszeit fällt ihnen das Schreiben besonders leicht? 
Frühmorgens

Wie kommen die Namen der Protagonisten zu Stande? 
Durch langes Tüfteln und viel Intuition. Ich finde die Namen einer Figur immens wichtig. Sie müssen zu seinem Charakter passen, zur Herkunft, zum Alter. Meist recherchiere ich am Anfang, vor allem, wenn es ausländische Namen sind, mache mir meine Liste und entscheide dann nach Klang und Gefühl. Manchmal muss ich den Namen nochmal ändern, wenn ich angefangen habe, weil er doch nicht passt. Oder die Person ihn einfach nicht mag und sich entsprechend sperrt. Sich nicht so öffnet, wie ich es mir vorgestellt habe.

Woher nehmen sie die Inspiration für die Geschichten? 
Aus dem Alltag, aus allem was mir begegnet. Einen Satz, den ich irgendwo aufgeschnappt habe, eine Liedzeile, eine Begebenheit, die mir jemand erzählt, kann ich nicht so richtig vorhersehen. Die Ideen kommen zu mir, ich kompostiere sie und irgendwann wächst was draus.

Entwickeln sich die Figuren manchmal in eine ungeahnte (und manchmal vielleicht auch nicht gern gesehene) Richtung? 
Ja, tun sie. Sie sind gelegentlich recht eigenwillig. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, gut daran zu tun, ihnen ihren Willen zu lassen. Wenn eine Figur partout nicht tun oder sagen will, was ich geplant habe, und lieber andere Wege geht, dann muss ich mir die Handlung nochmal ansehen und sie anpassen oder ganz ändern. Figuren sollen lebendig sein und wenn man ihnen den eigenen Willen aufzwingt, verlieren sie diese Lebendigkeit und übrig bleibt nur das Ego des Autors, was nie gut für eine Geschichte ist.

Welche Projekte sind im neuen Jahr geplant? 
Ich schreibe gerade einen neuen Elsasskrimi für die Jules Vitrac-Reihe und danach gibt es wohl eine neue Fiona Blum Geschichte. Darüber möchte ich noch nichts verraten, ausser dass ich mich schon sehr darauf freue.

Haben sie einem Protagonisten schon mal einen Tick oder Makel angedichtet, welchen sie nicht mehr so schreiben würden? Welchen? 
Nein, ich mag alle Fehler, Laster, Ticks, die meine Protagonisten haben. Bei meinen ersten Krimis hatte ich eine Heldin, Clara Niklas, die sehr viel rauchte und gerne Whisky trank, was einige Leser offenbar gestört hat. Sie schrieben mir deswegen hin und wieder Leserbriefe. Auch hat sie immer ihre Dogge Elise mit Croissants gefüttert, was die Leser auch sehr besorgte und sie fragten mich bei Lesungen, ob das nicht zu ungesund für die Dogge wäre. Mich hat das aber nicht gestört. Ich würde sie genau so wieder schreiben. Auch wenn Rauchen heutzutage nicht mehr gerne gesehen ist. Vielleicht gerade deswegen. Die meisten Leser haben Clara gerade wegen ihrer Unvollkommenheiten geliebt. Und Elise hat die Croissants gut vetragen.

Ähneln sie eher Lucy oder eher Pippa? 
Eher Lucy würde ich sagen. Mathematik war zwar nie so mein Ding, aber das Bedürfnis, alles unter Kontrolle zu haben, kenne ich schon. Ich muss mich immer dazu zwingen, meine Komfortzone zu verlassen und nicht nur im Kopf auf Abenteuerreise zu gehen und wenn ich es dann tue, finde ich es super.

Warum Irland? Haben sie eine besondere Beziehung dazu?
Inspiration zu diesem Roman war mein Onkel, der Bruder meines Vaters, der ein sehr talentierter Musiker war und leider viel zu früh gestorben ist. Er war als junger Mann, Ende der Sechziger einige Zeit in Irland, ist nach einer Theatertournee, die er zusammen mit meinen Eltern gemacht hat, einfach dort geblieben. Er  bzw. meine Eltern haben mir viel über diese Reise erzählt udn Fotos und Filme mitgebracht, die mich immer fasziniert haben. Als mein Onkel gestorben ist war ich siebzehn und ich habe seine vielen vielen Bücher, darunter auch die von James Joyce, und seine Schallplatten geerbt und damit wohl auch die Liebe zu Irland, vor allem zur Musik und zur irischen Literatur. Ich war danach selbst öfters auf der Insel und finde sie wunderbar, die Menschen sind sehr freundlich und offen und so viele sind unglaublich talentiert, Musiker, Sänger, Geschichtenerzähler. Und die Landschaft ... ich musste weinen, als ich zum ersten Mal dort war, kein Witz.

Haben sie die ganze Route von Lucy in Irland recherchiert?
Ich war überall dort, wo Lucy auch hinfährt, allerdings nicht auf einer einzigen Tour. Nur in Knocknabarra und Achadh Cairn war ich leider nicht, die beiden Orte habe ich erfunden.

Wie ist ihre Einstellung zu Bibliotheken in der heutigen Zeit? Benötigt es diese überhaupt noch?
Natürlich braucht man sie! Vielleicht noch notwendiger als früher, weil man heutzutage die Illusion hat, alles Wissen liesse sich aus dem Internet besorgen. Das ist ein Trugschluss. Ich liebe Bibliotheken und öffentliche Büchereien, leihe mir oft dort Bücher aus. Bibliotheken, diese Sammlung von Sprache, Wissen, Geschichten, Poesie und Kultur, ist doch gewissermassen das Konzentrat einer Gesellschaft. Das kann man mit einer Datenbank oder dem Internet nicht vergleichen.

Vielen Dank für ihre Zeit und ich freue mich, weitere Bücher von Ihnen zu lesen.

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