All die Jahre von J. Courtney Sullivan

All die Jahre ; J. Courtney Sullivan ; Ullstein Verlag

Inhalt

Als Nora Flynn ihren ältesten Sohn beerdigen muss, trifft sie das erste Mal seit fünfzig Jahren auf ihre jüngere Schwester Theresa. Die beiden sind damals gemeinsam aus Irland ausgewandert - Nora als die Verantwortungsbewusste, Theresa als die, die sich dem bunten neuen Leben in Boston sofort hingab. Als Theresa damals schwanger wurde, mussten die beiden eine Entscheidung treffen, deren Konsequenzen sie nicht im Mindesten erahnen konnten. Und die sie für Jahrzehnte sprachlos machen sollte. Nora gründete eine grosse Familie und wurde Mutter von vier Kindern, Theresa zog sich in ein Kloster zurück. Nun stehen die beiden wieder voreinander und müssen sich mit dem auseinandersetzen, was sie so lange voneinander getrennt hat - und was ihr Leben für immer verändert hat. 

Autoreninfo

J. Courtney Sullivan, Autorin und Journalistin, lebt in New York und schreibt u.a. für New York Times, Chicago Tribune, Elle und Men's Vogue. 

Meine Meinung

Nora und Theresa sind zwei unterschiedliche Schwestern. Nora ist ruhig und pflichtbewusst, Theresa leichtsinnig und lebenslustig. Sie leben in Irland und sind eigentlich ziemlich glücklich. Noras Verlobter wandert nach Amerika aus und die zwei Frauen folgen ihm ein Jahr darauf. Die neue Welt birgt für beide Frauen andere Herausforderungen. Während Nora ihrer Rolle in dem grossen Wohnhaus mit vielen Bewohnern und ihrem Verlobten gerecht werden will, stürzt sich Theresa unbeschwert ins neue Leben. Als sie dann ungewollt schwanger wird, kommt eine grosse Hürde auf die Schwestern zu. Sie fällen Entscheidungen, welche für ihre Schwesterliebe nicht einfach ist. Sie leben beide unterschiedlich mit den Konsequenzen und brechen miteinander. Bis sie sich fünfzig Jahre später wiedersehen und sich ihrer Vergangenheit stellen müssen.

Dieses Buch lag eine Zeitlang auf meinem Stapel der ungelesenen Bücher. Warum dies so war, kann ich jetzt nicht mehr nahvollziehen. Das Buch ist nämlich unglaublich berührend.

Die Autorin hat die verschiedenen Figuren unglaublich vielschichtig erschaffen. Nora wie auch Theresa haben Stärken und Schwächen und sind stimmig in ihrem ganzen Charakter. Nora ist anfangs eher zurückhaltend, macht sich Gedanken was von ihr erwartet wird und ist vernünftig. Sie arrangiert sich mit ihrer Situation und hadert ab und an mit ihren Entscheidungen. Aber sie trägt die Konsequenzen mit hoch erhobenem Haupt. Theresa hingegen ist am Anfang das genaue Gegenteil. In ihren jungen Jahren ist sie voller Lebenslust und lebt ohne Angst in der neuen Welt auf. Schliesslich hat sie als letztes Fangnetz ja noch ihre Schwester Nora, welche ihr immer aus der Patsche hilft. Beide Frauen entwickeln sich aber im Verlauf der Geschichte und das hat mir sehr gut gefallen. Die vielen Nebencharaktere lassen eine irische Gemeinschaft inmitten der neuen Welt entstehen. Obwohl die Familien schon lange ausgewandert sind, halten sie an irischen Traditionen fest. 

Die zwei Frauen haben jeweils einen Erzählstrang in der Geschichte. Zudem wird der Roman in zwei Erzählebenen erzählt - der Vergangenheit und der Gegenwart. Dies ergibt eine unglaublich runde Geschichte. Man lebt, freut und hadert mit den Frauen mit. Noras Familie vergrössert sich mit der Zeit, jedoch überschatten ihr grosses Geheimnis ihr Leben. Dies zieht sich durchs ganze Buch durch. Das Aussöhnen und Vergeben lassen am Schluss einen hoffnungsvollen Neuanfang erahnen.

Der sensible und tiefgründige Roman besticht durch leise Töne und bleibt noch länger in Erinnerung. 

Ich vergebe diesem Buch gerne 5 von 5 Schwestern.

Vielen Dank an den Verlag für dieses Rezensionsbuch.

Buchinfos

Einband Taschenbuch
464 Seiten
Erscheinungsdatum 27.09.2019
Verlag Ullstein
ISBN 978-3-548-29030-0
Preis Fr. 12.90

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