Die Dolmetscherin von Titus Müller


Inhalt

Asta arbeitet als Dolmetscherin im Kurhotel »Palace« in Mondorf-les-Bains, wo die US-Armee gefangengenommene Nazi-Grössen interniert. Am 20. Mai 1945 reist ein neuer Gast an. Er bringt 16 Koffer, eine rote Hutschachtel und seinen Kammerdiener mit. Es ist Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und Hitlers designierter Nachfolger. Asta übersetzt bei den Verhören, reist dann mit nach Nürnberg zu den Prozessen und wird jeden Tag im Gerichtssaal anwesend sein, die abscheulichsten Dinge zu hören bekommen und sie zudem ins Englische übertragen müssen. Umso empfänglicher ist sie für Leonhard, ein junger, sensibler Mann, der ihr sanft den Hof macht. Doch seine Vergangenheit ist undurchsichtig und er stellt verdächtig viele Fragen zu den Prozessen ...

Autoreninfo

Titus Müller, geboren 1977, studierte Literatur, Geschichtswissenschaften und Publizistik. Mit 21 Jahren gründete er die Literaturzeitschrift »Federwelt« und veröffentlichte seither mehr als ein Dutzend Romane. Er lebt mit seiner Familie in Landshut, ist Mitglied des PEN-Clubs und wurde u.a. mit dem C.S. Lewis-Preis und dem Homer-Preis ausgezeichnet. Seine Trilogie um »Die fremde Spionin« brachte ihn auf die SPIEGEL-Bestsellerliste und wird auch von Geheimdienstinsidern gelobt.

Meine Meinung

Die Nürnberger Prozesse sind wahrscheinlich vielen ein Begriff, was sie aber wirklich bedeuten und wie wichtig sie auch für die weitere Kriegstribunale waren, dies ist wohl nicht allen bekannt. Dieser Aspekt wird nur kurz beleuchtet, aber doch so, dass man ein Bewusstsein dafür entwickelt.

Asta (ich mag den Namen) ist eine faszinierende, emanzipierte junge Frau. Heutzutage wäre ihr Verhalten "normal", vielleicht noch etwas aufmüpfig aber nicht gross der Rede wert. In der zerbombten Nachkriegswelt ist ihr Dasein bemerkenswert. Sie steht für sich ein, ist sich ihrer Schwächen (dem Lügen) bewusst und trotzdem kämpft sie unerbittlich für Gerechtigkeit. Asta ist nicht bloss Dolmetscherin, nein sie schlüpft auch in andere Rollen und hat ihre Geheimnisse.

Leonhard ist eine interessante Figur, an ihr gelingt es dem Autor die bittere Armut und die Zerrissenheit von Männern in dieser Zeit darzustellen. Leonhard verfolgt seine eigenen Interessen. Umso schöner ist es dann, dass die zarte Blüte zwischen Asta und ihm gedeiht. 

Auch wenn das Buch während einer äusserst düsteren Zeit handelt, ist es ein Roman. Kein Krimi oder Thriller. Es wird nicht blutig oder irgendwie so. Es geht um Asta und um die Menschen der Nachkriegszeit. Es beleuchtet (zum x-ten Mal) die übelsten Nazigrössen. Allen voran Hermann Göring. Das Buch zeigt auch wieder einmal auf, dass es Nazis gab, die zu ihren Taten standen. Interessant waren die Vertuschungen der sowjetischen Verbrechen.

Ein solider Roman mit einem gut recherchierten historischen Hintergrund.

Buchinfos

Einband Taschenbuch
416 Seiten
Erscheinungsdatum 13.08.2025
Verlag Heyne Verlag
ISBN 978-3-453-44290-0
Preis Fr. 24.90

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